Norwegen – Finnland – Schweden

Am Dienstagmorgen um 07.35 Uhr musste Andrea, wie geplant von Alta (Norwegen) aus, leider wieder zurück nach Deutschland fliegen. Nach 3 wunderschönen und erlebnisreichen Wochen fiel uns der Abschied nicht leicht.

Von Alta aus ging meine Reise weiter in Richtung Schweden. Trotz 170 km Fahrt, die zweitlängste Tagesetappe seit ich unterwegs bin, erreichte ich an diesem Tag nicht mehr die Grenze. Ca. 20 km vor der Grenze fand ich einen geeigneten Übernachtungsplatz hinter Büschen. Der Grenzübertritt nach Finnland war problemlos. Die zwei norwegischen Grenzpolizisten machten lachend, ohne Kontrolle, nur Schnappschüsse von mir und meinem Gefährt. An dieser Stelle der norwegischen Grenze musste ich nochmals für einen Tag über finnisches Gebiet. Ich nutzte dieses zur Ergänzung meiner Vorräte in einem Supermarkt. Kostet doch in Norwegen eine 0,33l Dose Bier ca. 4 Euro, in Finnland dagegen „nur“ die Hälfte. Ein Liter Diesel in Norwegen kostete zweitweise über zwei Euro. Freundlicherweise bekam ich schon recht früh in Norwegen den Tipp, mit meinem Traktor den etwas verbilligten Agrardiesel für 1,70 zu tanken. Lt. Aussage des Tippgebers ist dies für alle Traktoren in Norwegen erlaubt, auch wenn sie gerade nicht in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Ich habe dieses nicht überprüft und wurde zum Glück aber auch nicht kontrolliert.

Seit Mittwoch bin ich nun in Schweden auf der E45 unterwegs. Schon lange Zeit vorher bekam ich immer wieder Empfehlungen, nicht die E45 sondern doch besser die E4 entlang der Küste zu benutzen. Ich habe mir die Entscheidung darüber bis zur letzten Möglichkeit aufgespart und mich nun für die E45 entschieden. Die E4 Küstenstraße ist wohl insgesamt die attraktivere Straße, doch sogleich auch die schnellere mit sehr viel LKW-Verkehr. Ich wäre auf dieser Straße sicherlich ein Hindernis für die anderen Verkehrsteilnehmer gewesen. Ich hatte auch keine Lust, immerzu mit der letzen Rille der rechten Räder ständig hinter der weißen Linie auf der Asphaltkante zu fahren. So bin ich nun schon seit einigen Tagen auf der Inlandsstraße unterwegs und sehe meist nur Wald mit attraktiven Naturschutzgebieten, wie z.B. das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhobene Laponia. In diesem Gebiet gibt es in Schweden die größten Elche, Bären, Luchse, Steinadler, Seeadler usw. Leider habe ich bis auf zwei Elchkühe und einzelne Rentiere keine weiteren Tiere gesehen. Unterbrochen wird diese Landschaft mit sehr vielen Moorgebieten von einzelnen Gewässern und hin und wieder von kleineren Ortschaften.

So habe ich am Freitag in Porjus, bei Birgit Meier-Thunborg einen selbstgemachten Streuselkuchen mit Apfel und Vanille, sowie einen schwedischen Schokoladenkuchen auf der Terrasse in der Sonne genossen. Birgit ist schon vor rund 20 Jahren nach Schweden ausgewandert. Das Cafe von Birgit befindet sich direkt am Stausee beim Kraftwerk.

Je weiter ich nach Süden komme um so höher werden wieder die Bäume und manchmal komme ich mir vor wie im Schwarzwald. Da sich die Höhenunterschiede der Straße zwischen 300 und 500 Meter in Grenzen halten, fahre ich meist mit Tempomat (Handgas), mit exakt 18,5 Std/km. Der gleichmäßige Takt der drei Kolben im Motörchen verleitet mich hin und wieder zum „Meditieren“, ohne dass ich es sofort immer gleich bemerke. Meist sehe ich es an den zurückgelegten km, ohne diese bewusst registriert zu haben. Viele Dinge um mich herum in der Natur erwecken meinen Kunstgeist. So habe ich nebenher, beim Fahren, zahlreiche Skizzen/Entwürfe von Kunstgegenständen angefertigt, welche ich später einmal in meinem Garten umsetzen möchte. Ich habe diese Momente sehr genossen und freue mich schon auf die Umsetzung zu Hause. Die vorwiegende Materialien werden dabei Holz, Stein und auch Beton (!) sein. Keine Sorge, bei 18 km/h kann auf den übersichtlichen Strecken nicht allzu viel passieren.

Doch nicht immer konnte ich so beruhigt und entschleunigt fahren, so hatte ich die vergangene Woche einige bange Minuten. Bei einer leichten Talfahrt im Leerlauf, hörte ich plötzlich ein sehr lautes, hart klingendes Tackern im Takt eines Kolbens vom Motor her. Gab ich vorsichtig etwas Gas, so beschleunigte sich auch das laute „Tackern“. Auf einem Parkplatz am Ende des Gefälles ließ ich das Gespann ausrollen und ich stellte zunächst einmal den Motor ab. In Gedanken malte ich mir schon aus, wie ich hier, mitten im Wald, einem Abschleppdienst meinen Standort beschreiben soll. Zu allem Unglück wurde ich beim Absteigen vom Traktor sogleich von einem großen Heer stechwütiger Moskitos überfallen. Doch trotz aller Widrigkeiten wollte ich zunächst einmal mittels Schraubendreher und Hörprobe („Alte Hasen“ kennen die Methode!) feststellen, wo das Tackern genau herkommt. In schlimmster Erwartung startete ich kurz darauf erneut den Motor. Ich konnte es kaum glauben, zu meiner großen Verwunderung und meiner Freude war das laute Geräusch weg. Der Motor gab wieder seinen gewohnten Sound von sich, ohne Klackern und ohne weitere ungewöhnliche Geräusche. Auch beim Gas geben war kein Tackern mehr zu vernehmen. Ohne zunächst hier weiter zu lesen, können sich jetzt die „Schrauber-Experten“ unter Euch Gedanken darüber machen, was wohl die Ursache für die Störung gewesen sein könnte…? Zur Sicherheit habe ich gleich an Ort und Stelle einen „Traktoren-Motoren-Experten“ zu Hause in Deutschland angerufen und ihn um Rat gefragt.

Seine drei Vermutungen auf Basis meiner Beschreibung waren:
1.) Das Ventilspiel hat sich verstellt und muß neu eingestellt werden.
2.) Eine Ventilfeder ist gebrochen und muss ausgetauscht werden.
3.) Die seiner Meinung nach eher unwahrscheinlichste Variante, eine Einspritzdüse war kurzzeitig außer Funktion.

Nun, da ich mittlerweile schon wieder über 700 km ohne erneute Probleme gefahren bin, tippe ich auf die unwahrscheinlichste aller Möglichkeiten, die Nr.3. In einer Entfernung von rund 1200 km folge ich in Schweden einer Einladung eines vor ca. 25 Jahren nach Schweden ausgewandertem Deutschen, ich werde dort sicherheitshalber das Ventilspiel und die Ventilfedern überprüfen. Zum Glück habe ich die passenden Ventildeckel-Dichtungen mit dabei. Wegen der nun mittlerweile über 6500 km dauernden Fahrt, habe ich letzte Woche vorsichtshalber auch noch einmal einen Getriebeölwechsel durchgeführt. Normalerweise macht man das nur einmal jährlich, aber der Zustand des abgelassenen Öls zeigte mir, daß der Wechsel nicht ganz unnötig war. Zum Glück hielt sich der Metall-Abrieb an dem Magnet der Ablass-Schraube sehr in Grenzen. Nun läuft der Traktor wieder wie „geschmiert“.

Im Wesentlichen waren dieses meine Erlebnisse der letzten Woche. Doch halt, ein ganz wichtiges Ereignis habe ich noch. Am Freitag habe ich wieder etwas überfahren, nämlich kurz nach Jokkokk den Polarzirkel. Nun gehöre ich wieder zu den „Normalsterblichen“ in Europa, welche wenigsten einmal am Tag in das Reich der Dunkelheit zurück müssen. Schade, ich hatte mich schon so an das „Ewige Licht“ gewöhnt. Trotzdem sind die Nordländer hinter dem Polarzirkel nicht zu beneiden, haben sie doch während der langen Winterzeit viele Wochen an denen es nie richtig hell wird. Was fragte mich kürzlich ein Norweger als ich die (seine) wunderschöne norwegische Landschaft pries: „Have you ever been here in Winter…?“ Ich glaube, diese Frage bedarf keiner Antwort. Laut mehrfacher übereinstimmender Aussagen von Einheimischen gibt es hier in Skandinavien dieses Jahr ein außergewöhnliches Mücken(Badisch:Schnaken)Problem. Ganz besonders schlimm ist es in der Nähe der Wälder. Gut gemeinte Tipps aus Deutschland, doch Autan zu verwenden, kann man hier getrost vergessen. Sobald man ins Freie geht wird man sofort von Tausenden der Plagegeister „angegriffen“. Sie fliegen an, setzen sich ohne „Warteschleife“ sofort auf eine Stelle am Körper und stechen sofort zu. Ich habe hier schon viele Mittel ausprobiert, geholfen haben sie nicht wirklich. Der beste und sicherste Schutz sind dicke Kleidung und ein Hut mit Netz, so ähnlich wie ihn die Imker benutzen. Sieht lustig aus, aber es hilft. In den Bauwagen eingedrungene Schnaken (Mücken) bekämpfe ich erfolgreich mit einem elektrischen „Boris Becker“ Abwehrschläger, welchen ich in Finnland von Timo geschenkt bekam. Glücklicherweise ist es nicht jeden Tag und auch nicht an jedem Ort so schlimm wie zuvor beschrieben.

Zum Wochenende hin habe ich hier in Schweden auf einer Halbinsel im See ein kleines Camperparadies gefunden. Gefunden ist eigentlich der falsche Ausdruck, es wurde mir schon vor rund 4 Wochen von einem sehr netten Dänischem Paar ans Herz gelegt, diesen Platz bei meiner Rückreise zu besuchen. Kirsten und Knud, so die Namen des Dänischen Paares, traf ich das erste Mal in Finnland auf einem Campingplatz in Sodankylä. Kirsten hat, wie ich auch, eine 5 Monatige Auszeit von Ihrem Job genommen und zu meiner großen Überraschung wurde ich hier am Platz wieder von ihnen begrüßt. Sie sind mittlerweile schon 3 Wochen hier mit ihrem Wohnwagen. Vielen Dank an dieser Stelle an Kirsten und Knud für diesen wunderbaren Tipp! Der Platz heißt „Sjöstjernan“ (Seestern) und liegt bei Arbidsjaun. Eigentlich wollte ich hier nur eine Nacht stehen bleiben, es sind aber dann doch zwei Nächte geworden. Beatrice, die nette und freundliche Besitzerin des Platzes, ist übrigens auch Reporterin bei Radio Schweden und hat ein Interview für das Radio mit mir geführt. Es war sehr lustig, so musste ich zwecks Aufnahme der Geräuschkulisse zum Erstaunen der anderen Campingplatzbesucher mehrere Runden auf dem Campingplatz drehen. Natürlich versuche ich das Interview zu bekommen, um es auf meine Homepage zu stellen.

Ansonsten habe ich gerade mal wieder nicht so richtig Glück mit dem Wetter, es ist sehr kalt und es regnet immer wieder. So hatte ich wenigsten die Muße, um im beheizten Bauwagen meinen Bericht für euch zu schreiben.

Bin schon richtig gespannt wie es weiter geht hier in Schweden, insbesondere möchte ich natürlich wissen, wie die Menschen hier auf den Traktorfahrer aus Deutschland reagieren.

Machts gut, bis dann,
liebe Grüße aus Schweden.
Euer Osi

 

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